notbett.ch – damals und heute

Vision und Geschichte

Im Jahr 2008 führten wir in Zürich eine Gassenweihnacht durch und wurden vom Andrang und der Not überrascht. In den folgenden Jahren entstand eine aufsuchende Gassenarbeit und die Gassenweihnacht wurde zu einem immer grösseren Anlass, der heute in mehreren Städten stattfindet. Über die Weihnachtstage ermöglicht dieser Anlass nun über 500 Menschen am Rande der Gesellschaft eine festliche Feier und verleiht ihnen Würde als Mensch.

Berührt von der grossen Not der obdachlosen Menschen fingen wir an, Leute in Not aufzunehmen und ihnen einen Platz zum schlafen anzubieten. Aus dieser kleinen Idee wurde eine immer grössere Geschichte. Zuerst wohnten wir in einem Zweifamilienhaus und bald schon hatten wir Leute in jedem Raum, egal ob im Keller oder im Estrich. Nachdem wir noch einen Wohnwagen in den Garten gestellt hatten, um auch dort Menschen zu beherbergen, wurde es Zeit weiterzuziehen.

Die nächsten Jahre wohnten wir in einem Abbruchhaus mitten in der Stadt Winterthur. Wir lebten als Familie mit einem Team von verschiedenen kreativen und sozial denkenden Menschen mit bis zu 15 Obdachlosen, Suchtkranken und Flüchtlingen unter einem Dach. In dieser Zeit durften wir viele Dinge erleben und sehen. Ausserdem haben wir erlebt, wie Menschen durch praktisch ausgelebte Liebe verändert werden und wieder Halt im Leben finden.

Abbruchhaus in Winterthur

Im Sommer 2016 haben wir mitten im Naturpark Gantrisch eine kleine Pension und einen Bio Bauernhof übernommen. Wir wohnen zusammen mit verschiedenen Tieren, Menschen in der Lebensgemeinschaft sowie verschiedensten Gästen, welche in der Pension zur Ruhe kommen. Die Gemeinschaft, die Spiritualität und die Zeit in der Natur sind für uns Teil des ganzen Offenen Hauses.

www.sonnhalde-gantrisch.ch

Um Menschen in Not sofort zu helfen, stehen mehrere Gästezimmer zur Verfügung. Es besteht auch die Möglichkeit für eine Auszeit, um zur Ruhe zu kommen, Neuorientierung im Leben zu finden oder Seelsorge in Anspruch zu nehmen.

Unser Menschenbild ist ein christliches, deshalb teilen wir unser Leben mit Menschen am Rande der Gesellschaft.

Unsere Vision hat auch einen soziologischen Hintergrund; wir glauben, dass den Menschen in Not nebst externer professioneller Begleitung auch Würde und Hoffnung vermittelt werden sollte, Menschen erhalten als Gäste bei uns familiären Anschluss, echtes Leben. Durch das Zusammenleben mit einer Familie mit Kindern und dem Gästehaus kann genau dieser Grundsatz umgesetzt werden. Durch die Annahme, das Essen am Familientisch und das alltägliche Leben finden viele Betroffene psychische Stabilität, Hoffnung und die Integration geht deutlich schneller voran. Am Abend sitzen oft um die 15 Leute am Esstisch. Die dort herrschende Atmosphäre ist eine spezielle und jeder sollte erlebt haben, was sie mit den Menschen macht – es gibt kaum Worte, um dies beschreiben zu können.

Wir glauben, dass die Würde eines jeden Menschen unantastbar ist und wir nicht in starren Konzepten Hilfe in Not anbieten sollen. Wir wollen individuell und auf die Bedürfnisse jedes Gastes eingehen und sie als würdevolle Menschen behandeln.

Regelmässig sind wir an den sozialen Brennpunkten unterwegs und verbringen mit Obdachlosen Menschen Zeit und arbeiten mit anderen Organisationen zusammen um den Nöten zu begegnen.

Wir arbeiten nach dem Konzept des Empowerment (Selbstbefähigung), welches zum Ziel hat Menschen zu befähigen und sie in Ihren Stärken zu fördern. In den letzten Jahren ist es uns gelungen einen grossen Teil der Menschen zurück in die Gesellschaft zu integrieren. Wir sind bewusst keine Institution geworden und können daher vom Staat keine Gelder beziehen, da wir jede Person als fähig erachten und mit den Menschen auf Augenhöhe unterwegs sind. Obdachlose und einsame Menschen brauchen nebst Unterstützung, einen liebevollen und familiären Rahmen, um die Würde als Mensch wieder zu erlangen.

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